101. Eine kreative Auszeit vom Lernen

Artikel von Frederike Guggemoos, Freiwillige 2009/10

Das FSJ Kultur, ein Bildungs- und Orientierungsjahr, bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich nach der Schule in kreativen und kulturellen Bereichen und Einrichtungen auszuprobieren und vorberufliche Erfahrungen zu sammeln. Lucia und Nils nutzen die Chance.

„Während meiner Schulzeit habe ich im Jugendspielclub Theater gespielt und wusste auch schon ungefähr, dass ich etwas in diese Richtung studieren will. Trotzdem hatte ich Bedenken, so ins Blaue hinein Theaterwissenschaft zu studieren und finde es deswegen richtig toll, dass ich ein Jahr in diesen Bereich hinein schnuppern kann“, erzählt die 20-jährige Lucia Kramer. Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJ Kultur) in der Abteilung Theaterpädagogik im Stadttheater Augsburg. Dafür ist sie extra aus Baden-Württemberg in die Fuggerstadt gezogen: „Ich hatte sowieso vor auszuziehen, selbständig zu werden und eine andere Stadt kennenzulernen. Außerdem wollte ich auf jeden Fall am Theater arbeiten und bin froh, dass ich es geschafft habe“, erklärt sie.

Das FSJ Kultur ist ein Bildungs- und Orientierungsjahr und bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich nach dem Abschluss in kreativen und kulturellen Bereichen und Einrichtungen auszuprobieren und vorberufliche Erfahrungen zu sammeln. Für Kriegsdienstverweigerer wird das FSJ Kultur, wie ein normales FSJ als Zivildienstersatz anerkannt.

„Unsere FSJ Kultur Einsatzstellen in Bayern sind ziemlich vielseitig: Man kann zum Beispiel im Zirkus, in einer Medienstelle, in Musik- und Kunstschulen oder Bibliotheken arbeiten. Was ein potentieller Kultur FSJ-ler mitbringen sollte ist Eigenengagement, die Bereitschaft selbstständig, aber auch im Team zu arbeiten“, erklärt Tordis Schuster von der BAG Spielmobile in München, dem Träger des FSJ Kultur in Bayern.

Der 19-jährige Nils Tränkler aus Lechhausen wurde zwar ausgemustert, hat sich aber trotzdem für ein FSJ Kultur entschieden. Seit September arbeitet er beim Spielmobil in Bamberg. „Ich versteh mich super mit den Kindern und vor allem die Spielmobileinsätze im Sommer auf Spielplätzen in ganz Bamberg, machen mir total viel Spaß“. Im Winter gehört hauptsächlich die Planung und Organisation der Fahrten im Sommer zu seinen Tätigkeiten. Zu Lucias Alltag im Theater Augsburg gehören Führungen für Schulklassen und Workshops für Kinder und Jugendliche, um sie auf eine Inszenierung einzustimmen. Das Highlight ihrer bisherigen Zeit im Theater war die Regiehospitanz bei der Produktion „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ von Bertolt Brecht. „Ich bin mir sicher, dass ich schon in dem halben Jahr selbstbewusster geworden bin. Außerdem habe ich viele interessante Leute kennen gelernt und einen guten Einblick in Strukturen, Zusammenarbeit und den Produktionsprozess des Theaters bekommen“, erzählt sie.

Neben der Arbeit in einer kulturellen Einsatzstelle, gehören aber auch 25 Bildungstage zum FSJ Kultur. In vier, über das Jahr verteilten Seminarwochen lernen sich die Kultur FSJ-ler aus ganz Bayern kennen und bekommen die Möglichkeit in verschiedenen Workshops und Arbeitsgruppen neue Erfahrungen zu sammeln. Tordis Schuster betreut die Jugendlichen während dieser Wochen und erzählt: „Das ist mein absoluter Lieblingsjob. Die Arbeit ist total abwechslungsreich und ich genieße sowohl den Kontakt zu so vielen kreativen, kritischen und extrem engagierten jungen Leuten, als auch zu den Künstlern und Pädagogen, die die Workshops leiten“. Auch Nils ist mit den Seminaren und seiner Arbeit voll und ganz zufrieden: „Ich weiß zwar jetzt schon, dass ich beruflich lieber in die in künstlerische Richtung gehen will, aber das Jahr bringt mir eine ganze Menge Lebenserfahrung und in der Bewerbung macht es sich auch nicht schlecht“, grinst er.

Frederike Guggemos (erschienen in: K!lar.Text, Nr. 46, 25. 2. 2010)

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